Die Konferenz im Kongresshaus Zürich war dieses Jahr, mit rund 170 Teilnehmern, etwas familiärer als in den vergangenen Jahren. Was der guten Stimmung und den interessierten Teilnehmern keinen Abbruch tat. Vielleicht war es auch dadurch kommunikativer und man kam zu mehr persönlichem Austausch als die letzten 2 Jahre.

Warum das so war kann einerseits an dem Überangebot an Events, Workshops und Konferenzen liegen. Unterdessen ist ja das Internet-Briefing nicht mehr der einzige Veranstalter von Fach-Events. Oder auch die Fachleute haben sich organisiert und Events sind nicht mehr die einzige Weiterbildungsmöglichkeit.

Die Referenten:

Mike Schwede

Florian Wieser

Patrick Din

Mark Forster

Marco Nierlich

Barabara Schwede und Daniel Graf

——Mittagspause——

Thomas Hutter

Dr. Helmut Becker

Moritz Zumbühl

Markus Wilhelm

coopKinder

Thomas Benkö

Persönliches Schlusswort und Top5-Referenten-Liste


Anyway - der Saal war voll und gestartet ist Mike Schwede mit Facts zum nachweislichen Erfolg mit Social Aktivitäten.

Sein Referat auf Slideshare:

Er zeigte schön auf wie das Verhältnis der erreichten Facebook Liker zum Kundenpotential in der offline Welt ist. Z.B. Migros hat 1 Million Kundenbesuche pro Tag in ihren Filialen und 71’000 Likers auf Facebook - also 7.1%.

mike schwede social media konferenz 2012

Spannend war auch sein Selbstversuch mit Support-Antwortzeiten bei unseren grossen Schweizer Unternehmen mit den meisten Facebook Likers.

mike schwede social media konferenz 2012

Zu guter Letzt hat er einen Ausblick gegeben und sein Slide hat noch keine Marken gezeigt, die seine so "futuristisch" wirkenden Zahlen tatsächlich erreicht haben und er dadurch den Beweis herbeiführte: Mit Social Aktivitäten kann man, richtig umgesetzt, gute Resultate erreichen - von Social Media zu Social Business.

mike schwede social media konferenz 2012

Was ich euch nicht vorenthalten möchte ist sein “Cheat Sheet” mit Tipps wie man Community Beziehung führen kann und was man in welcher Situation macht.

community management cheat sheet mike schwede


Florian Wieser

Danach war ich dran zum Thema “Vom Liker zur Community” - was man mit Likern noch alles machen kann ausser diese einfach über Wettbewerbe zu sammeln. Aufgezeigt habe ich auch den Unterschied zwischen Liker-Sammeln und Community und welche Schritte es zum Aufbau einer Community braucht.

coUNDco Matrix zur orientierung wo ein unternehmen im social enterprise prozess steht und wo likers aufhören und zur community werden

was man mit likers alles machen kann und so zur community werden kann

Wir haben wieder einen Versuch mit Live-Streaming und Video-Aufnahme per iPhone gestartet und das Resultat ohne HD aber plus die Slideshare Präsentation gibt es hier:


Patrick Din

von Lithium sprach über die Möglichkeiten mit ihrer Social CRM Lösung Communities zu aktivieren und hat die 5 Stufen aufgezeigt, in denen ein Unternehmen stecken kann auf dem Weg zur voll integrierten Social Enterprise. Für mich war die Färbung des Vortrags zu sehr big Business, big Player, big Money. Und leider auch zu sehr Firmenpräsentation. Mehr User centered, Frontberichte in der Umsetzung, Herausforderungen beim Aktivieren wären schön gewesen und mehr Bezug zur Schweiz.

lithium.com 5 stufen social enterprise


Mark Forster

hat auf wunderbar unaufgeregte Weise das Thema Social auf mobile vermittelt. In den Köpfen der Marketer ist mobile der kleine Bruder der restlichen Marketing-Aktivitäten, nur hat die Smartphone-Nutzung die Gesellschaft bereits dahingehend geprägt, dass das always ON zur Realität geworden ist. Wie kommt man nun an die User, wenn sie eigentlich immer da sind?

Schön aufgezeigt hat er die Bereiche, die Nutzer tatsächlich im Fokus haben und man über diese auf ihre Handys gelangt.
mark forster mobile internet briefing

mobile mark forster internet briefing

pdf Präsentation als PDF downloaden


Marco Nierlich

von Helsana zeigte auf wie er seine Support Community (Kunden helfen Kunden) im letzten Jahr aufgebaut hat und was die Herausforderungen für einen Versicherer sind, die nicht mit fancy bunten Werbeaktionen punkten können, sondern ihre Kunden ihre sehr konkreten Bedürfnisse befreidigt haben wollen und Support benötigen. Ausserdem das Emotionen-Management rund um das Thema der Prämien-Erhöhungen. Spannend war, dass die Helsana ihr social Forum unter der Marke Avanex betreibt, weil ihnen die Dachmarke zu riskant war, um in das Thema einzusteigen. Aber genau das macht auch das Aufzeigen von Erfolg in voller Power so schwer für Marco. Er hat’s trotzdem geschafft aufzuzeigen, dass das Vorgehen relevant ist für das Unternehmen und nun ist es am tun, dass die Support Community auch unter der Dachmarke laufen darf. Der Vortrag war für mich sehr spannend, weil das Thema “Gesundheit”, zwar nicht so bunt ist im Kontext der Versicherer, aber in der Relevanz das x-fache höher ist als die neue Diesel Sommerkollektion. Insofern stelle ich mir das Arbeiten mit einer solchen Community sehr spannend vor.


Barbara Schwede und Daniel Graf

haben den Shitstorm seziert. Gibt es ihn eigentlich und wieviel ist davon Chance und wieviel Risiko? Wie Daniel Graf mir in der Pause mitteilte war es kein einfaches Unterfangen passende Beispiele zu finden, die man unter die Lupe nehmen hätte können. Oft werden Shitstorms überbewertet und eigentlich ist Ruhe bewahren und im Notfall ein ernst gemeintes “sorry” Reaktion genug. Wer panisch löscht, antwortet oder gar nie reagiert verliert.

Anhand einer themenspezifisch modifizierten Beaufor-Windstärken-Skale haben die beiden die Shitstorm Stufen eingeteilt und beschrieben.
shitstorm skala daniel graf barbara schwede
pdf shitstorm skalaShitstorm Skala als PDF downloaden

beispiel mcDonalds postet proaktiv kritik-videowunderwaffe sorry


Mittagspause


Thomas Hutter

aka “Hutterberg”, hat sich für sinnvolle und professionell umgesetzte Wettbewerbe auf Facebook stark gemacht. Überblick war super, Präsentation plakativ. Für mich auch zum Thema “”Vom Liker zur Community” spannend welche Gründe Thomas auflistet, warum man Facebook Wettbewerbe machen kann:

  1. Mehr Likers generieren
  2. Community will/soll belohnt werden
  3. Qualifizierte Adressen fürs CRM sammeln
  4. Produkte-News via Infotainment vermitteln
  5. Weil User neue Inhalte generieren/teilen sollen
  6. Aufmerksamkeit erregen mit dem Wettbewerb
  7. Couponing diskret verpacken
  8. Viel Feedback erzeugen
  9. Weil zu wenig Content vorhanden ist
  10. Weil keine bessere Idee/Strategie vorhanden ist

@thomashutter hat aufgezeigt, dass bei einem Wettbewerb eine Aufteilung des Budgets wie folgt sein sollte:
25% App/Game Produktion PLUS die Verlosungs-Preise
75% Facebook Ad Media

Also wir haben solche Kunden noch nie gehabt. Meist ist das Budget für eine Wettbewerbs-App zwischen 5’000 bis 15’000 Franken und da bleibt wenig bis nichts für Media. Bzw. ist der übrigbleibende Betrag nach Produktion und Wettbewerbs-Preisen so klein, dass er gänzlich sinnlos ist. Aber ich stimme zu, dass es Facebook Ads braucht. Egal ob zur Bewerbung des Wettbewerbs oder der Facebook Page. Es gibt aber auch Marken wie Victorinox, die aus eigener Kraft immer ganz ordentliche Teilnehmerzahlen hinbekommen. Hier kommt das zum Tragen, was ich auch in meinem Vortrag gezeigt habe: Identifikation mit der Marke oder mit einem Thema tragen die Community zur Teilnahme. Hat die Marke oder das Produkt diesen Identifikations-Vorteil nicht, braucht es mehr Media.


Dr. Helmut Becker

COO von XING in Deutschland. Eigentlich zum Thema “Wohin geht das Social Web”. Schön war, dass er Schweizer Zahlen aufbereitet hatte und man endlich mal Insights bekommen hat, wo man nicht wieder Faktor 10 dividieren muss, um am Schluss doch wieder enttäuscht zu keiner lokalen Einschätzung zu kommen.

Nun wie gesagt “eigentlich” sollte er über “Wohin geht das Social Web” und leider hat er sich dann aber doch in einer Xing Firmenpräsentation verfangen. Es wurde dünn. Und so versuchte Reto zwar mit vielen Fragen am Schluss die Situation etwas anzureichern, nur kippte die Stimmung trotzdem und Herr Becker fand sich in in einem Anti-Xing-Pro-LinkedIn “Shitstürmchen” wieder. Was für den extra aus Deutschland angereisten Herrn Becker eher unangenehm war und ich so auch nicht nur Ok fand. Xing geht weiter seinen eingeschlagenen Weg, sind stark am Wachsen und mobile wird immer wichtiger (in der Schweiz greifen von den 430’000 Xing-Mitgliedern 27% über mobile auf Xing zu). Unverständlich war für mich, warum Xing in seiner Firmen-DNA immer noch Business und Privat trennt. Ich hatte dann einen kurzen Austausch mit Daniel Schwarz (@schwarzd) von der SBB über always ON und das höchste was ich hinbekomme ein “Standby” ist und er sich OFF-Zeiten nimmt.

tweet xing diskussion

tweet xing diskussion


Moritz Zumbühl

von der Agentur Feinheit hatte das Thema “Reichweite und Daten”. Für mich eher dünn und wenig ergiebig ausgefallen. Hab mir zu dem Thema mehr erwartet und z.B. in Berlin strategische Datensammler und Reichweiten-Booster gehört wo es so richtig zur Sache ging. Da sind wir in der Schweiz scheinbar noch in den Kinderschuhen.

Was mich gefreut hat ist, dass er unsere im Box Network Europe umgesetzte Emmi-Tahiti-Edition-Kampagne als Beispiel gebracht hat (Slide20).

Ich hätte mir mehr Mechanismen gewünscht und weniger ”ich glaube…”, “ich meine…” gepaart mit Techtalk, sondern konkrete Antworten auf Reichweiten-Prozesse, Datensatz-Relationen für strategische Kampagnenführung usw.

Das Präsentationsdesign fand ich cool, im Stil der Facebook Timeline.

Wichtigster Tipp war: iFrame-Lösungen bevorzugen, da dann die Daten auf dem eigenen Server liegen und nicht der Hoheit von Facebook obliegen.

Deshalb bauen wir bei coUNDco unterdessen fast immer zwei Versionen: Eine, die auf der Microsite läuft und die andere auf Facebook - beide mit zentraler Datenbank.

Schluss-Appell von Moritz war: Probiert es aus! Probiert bestehende Tools selber aus und entscheidet, ob ihr die professionelle Agentur den Standartlösungen vorzieht.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Tool-Affinität bei Kunden und das Einschätzen können dieser eigentlich unmöglich ist und meist eine Empfehlung von Testern und Profis der Agentur nötig ist.


Markus Wilhelm

von Edorex nahm das Thema von Moritz auf und vertiefte es technologisch. Auch da habe ich mir mehr erwartet. Die gezeigten Cockpits sahen wenig sophisticated aus und es hatte den Look von Excel Statistiken. Aber der Inhalt zählt doch? Sicherlich. Nur heute bin ich mir schon andere Interface Designs gewohnt und das habe ich etwas vermisst - rein vom Look & Feel. Das war z.B. auch bei Netbreeze lange der Fall und nun haben sie ein Redesign hinter sich, das die Daten nicht nur darstellt, sondern kommuniziert. Der Schritt von Tech-Look zu Kommunikations-Design lohnt sich für die Datensammler auf jeden Fall.

Einerseits hat Markus sauber aufgezeigt, was man aus Facebook alles an Daten bekommt. Nur wäre dann ja spannend, was man damit macht. Und zwar nicht im Sinne von man kanns ans CRM hängen, sondern mehr: “Wenn man es mit dem CRM verknüpft, und bei der Konkurrenz soeben ein intensiver Dialog unter Usern ausbricht, den man mitmonitored - was hat das für Auswirkungen z.b. auf meine Probefahrten-Leads?”. Unser Box Network Europe Partner in Italien hat ein solches Social Media Center mit 3 Community Manager Sitzplätzen und unzähligen Screens für Fiat bauen dürfen. Hier fliessen alle wichtigen Datenströme zusammen und relevante Relationen bilden den Businessverlauf in den Social Networks ab. So was schlaues hab ich mir erwartet. Aber vielleicht fehlen die Cases noch in der Schweiz.


2 coopKinder

haben sich das erste Mal öffentlich gezeigt und über ihren Social Media Einsatz ohne Auftrag von Coop referiert. coopKind Michael Rueetschli stieg ein mit in Giaccobo/Müller vorgetragenes Poetry Slam Stück von Gabriel Vetter über coopKinder und migrosKinder:

Die Geschichte der coopKinder begeisterte und Michael bot Entertainment und einen spannenden Erfahrungsbericht in einem, und es gab sogar Szenenapplaus. Die Channel-Management-Tools, welche sie selber für Multi Device (von lokaler Software bis iPhone und iPad Versionen) entwickelt haben, lassen sie sehr effizient, dezentral und weiter nach dem Lust-Prinzip Social Media für Coop, ohne Auftrag, betreiben - für dich und mich.

Wir haben das exklusive Enthüllungs-Video des Vortrags live mitgeschnitten, was hier zu sehen ist.

Die beiden coopKinder nach ihrem Auftritt:
tweet floto nach dem auftritt der coopKinder
coopKindern ahc ihrem auftritt


Thomas Benkö

Den Schluss machte Thomas Benkö vom Blick am Abend. Seine Essenzen oder Gedankengänge zur Nutzung von twitter als Journalist konnte ich nicht immer nachvollziehen, warum er mir das so vermitteln will. Ein kleiner Einblick in die Nachmittagstätigkeiten bei Blick am Abend gab es dann doch. Auch beim Blick muss er Überzeugungsarbeit leisten und beweisen, dass twitter ein wichtiger News-Kanal für sie ist, einerseits für den Austausch mit den Lesern, aber auch für Recherche und Verifizierung von Stories - damit das auch das Management glaubt haben sie twitter nun auf dem big Screen integriert, damit man sagen kann: “Siehst du -steht sogar was auf dem big Screen.” Na wenns da steht…


Schlusswort und meine persönliche Top5-Referenten-Liste:

Ich glaube den Teilnehmern hat es einen guten Überblick über die Themen 2012 gegeben. Wer noch Ergänzung und noch breitere Themen hören will kann das an der ONE Messe am 9. und 10. Mai. Auch ich werde da ein Referat halten über “Right-Sizing Social Media” am 9.5. um 9:25 Uhr

Last but not Least meine Hitliste der Referate - meine Top5 - die wie folgt aussieht: @CoopKinder, @marconierlich (Helsana), @mikeschwede (Sein Response Research & Ausblick), Mark Forster (Social Mobile) und @thomashutter

florian wieser coUNDco referat vom liker zur community