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Storytelling Konferenz 2012 geschrieben am 14.06.12 von coUNDco.
In diesem Beitrag werden Themen wie sto, story, Storytelling besprochen.
Der Autor
Storytelling Konferenz 2012
Das Wetter war leider nicht sehr vielversprechend, als wir am Morgen nach Luzern fuhren, es regnete in Strömen. Trotzdem freuten wir uns riesig auf den Tag. Endlich war er da, der Tag der Konferenz des Storytelling. Es scheint eine Ewigkeit her zu sein, als wir uns das erste Mal zum Kick-off Meeting trafen. Seit März wurden Referenten evaluiert und eingeladen, Tagesprogramme geschrieben und ganz viele Gedanken darüber gemacht, wie wir am besten die Geschichte des Storytelling Events erzählen werden.
Hier ist die Geschichte:
Die Eröffnung der Konferenz macht Henry Jenkins als Keynote-Speaker, der dafür extra aus Kalifornien eingeflogen wurde. Sein Vortrag in Englisch handelt davon, dass Content in einer Zeit von teilbaren Medien immer mehr an Wichtigkeit gewinnt. Content ist also nicht tot, wie viele behaupten. Content ist immer noch King – wie das in den 90ern schon proklamiert wurde. Le roi est mort, vive le roi! (Der König ist tot, es lebe der König!)
Damit auch Ihr Content an Wichtigkeit gewinnt, empfiehlt Jenkins folgende sechs Trends:
1. Content ist transmedial
2. Content ist partizipativ
3. Content ist mischbar
4. Content ist teilbar
5. Content ist global
6. Content ist selbstständig
Henry Jenkins erzählt eine wunderschöne Anekdote, welche fast zu allen Punkten etwas aussagt: Als er ein Schlagwort googelte, fand er einen seiner Präsentations-Slides, übernommen und überarbeitet von einem User. Und dazu war das Slide schöner als sein “Original”. Jenkins verwendet seither nur noch das überarbeitete Präsentations-Slide für seine Vorträge.
Dorothea Martin hat es nicht schwer als einzige Frau in dieser interessanten Runde zu überzeugen. Ihr Thema “Fakten und Fiktion: Storywelten” begeistert, obwohl oder gerade weil am Schluss nicht mehr gesagt werden kann, was nun der Wirklichkeit entspricht und was erfunden wurde.
Sie erzählt uns die Geschichte wie ihr Verlag – das wilde Dutzend – ins Leben gerufen wurde und wie ihr Erstling, ein Gedichtband mit verschollenen Versen von Johan von Riepenbreuch, erschienen ist. Es ist nicht nur das Buch welches fasziniert, es ist die Fiktion, die im Rahmen dieses Buches erfunden wurde. Erzählt anhand einer Figur namens Adele, einer Detektivin im Auftrag der Geheimgesellschaft, welche sich auf die Suche nach Literatur und Hinweisen mit rätselhaften Ereignissen macht.
Es ist unglaublich, wie engagiert die Community diese Geschichte in Facebook, Pinterest und anderen Social Media Kanälen aufgenommen hat. Interessant auch, dass das Thema Geheimbund noch sehr hohe Popularität geniesst. Ist dies nun Wahrheit oder Fiktion?
Im Saal wird es ruhig und das Publikum hört gespannt zu, als Wolfgang K.A. Disch auftritt. Er beginnt mit einer Geschichte. Einer Geschichte, die in Luzern begann. Dieser Geschichte folgt eine weitere Geschichte und dieser wiederum eine Geschichte. Bald wird klar, dass es um die einzigartigen Biographien von weltbekannten Marken geht. Die Geschichte vom Ueli, der allen Mitmenschen Fast Food zugänglich machen wollte (Mövenpick) oder die Geschichte von den beiden Brüdern Markus und Daniel aus Davos, als sie in New York waren und die Freitag-Taschen erfunden haben oder aber die Geschichte von dem Herrn, der “Horch” hiess und seine Firma nicht “Horch” nennen konnte, sie nun aber doch “horch!” auf lateinisch heisst – AUDI. Herr Disch unterstreicht in seinem Vortrag immer wieder, wie wichtig es ist, seiner Marke eine unverwechselbare Geschichte zu geben. Eine Geschichte, die nur diese eine Marke erzählen kann. Eine Geschichte muss an der Marke kleben und vor allem von innen kommen. Nur so wird eine Geschichte wie auch die Marke authentisch und wirkt nicht aufgesetzt. Storytelling gab es schon immer, erzählt wird dabei die Geschichte wofür ein Unternehmen und seine Marke stehen. Mit einer solchen Geschichte lässt sich leichter Vertrauen gewinnen.
Nach dem wunderbaren Mittagessen im Bourbaki werden Showcases von den Veranstaltern und Vorstand der Konferenz vorgestellt. Axel Vogelsang von der HSLU (Hochschule Luzern) zeigt uns den neuen Lehrgang Camera Arts, Kurt Reinhard spricht über das Projekt “The Global Skin” und Florian Wieser, unser Chef Stratege, zeigt den zentralen Punkt von Storytelling in moderner Kampagnenführung am Beispiel von Victorinox.
Übrigens, die gezeigte Grafik kann als Plakat “Kampagnenführung 2.0” bei coUNDco bestellt werden. ((CHF 10.- plus Versand))
Samuel Schwarz liess lange darüber rätseln was ein Polder ist. Leider kann diese Frage nicht abschliessend beantwortet werden. Wir vermuten, dass sich der Polder (anhand einer grossartigen Marke) wie folgt erklären lässt: Der Turnschuh Converse löste, nachdem er nach Europa gebracht wurde, einen riesigen Hype aus. Wer auch immer diesen Hype ausgelöst hat, ist diesem schon lange überdrüssig und befindet sich nun im Polder. In diesem Kontext führte Samuel Schwarz seine Erklärungen am Beispiel “Das Rote Buch” aus. Dieses wurde transmedial promotet mit Hilfe von Geschichten, welche im realen Leben Einfluss haben. Es wurden Schreibmaschinentexte veröffentlicht (Absender unbekannt), versteckte Kampagnen lanciert und reale Spiele mit Rätseln in der Stadt durchgeführt. Das ist mal eine Geschichte.
Mark Riklin schloss gleich am Thema “Stadt als Bühne” an. Er erörtert uns die grandiose Idee der Meldestelle für Glücksmomente. Leider ist das Original online nicht abgebildet, dafür gibt es die Weiterführung aus Wien, die im Netz vertreten ist. Bei Riklin kann man sich dafür 100 Glücksmomente offline bestellen. Bald soll es auch einen weiteren Ableger in Holland geben. Obwohl die Geschichtensammlung selbsterklärend ist, hier noch ein paar Informationen welche gemäss Riklin zum Glück führen:
1. Erzählen Sie vom kleinen Glück.
2. Reden Sie vom Schönen anstatt es schön zu reden.
3. Und vor allem, warten Sie nicht auf das Glück. Schon gar nicht an der Meldestelle für Glücksmomente.
Riklin versteht es, Interventionen in der Öffentlichkeit zu machen, die verblüffen und zum Mitmachen und Mitdenken anregen. So konnte auch die SBB nicht wiederstehen und hat beim Bahnhof St.Gallen eine mobile Meldestelle für Glücksmomente auf einem Perron bewilligt und sogar einzelne über die Bahnhofslautsprecher verlesen lassen.
Marcus Brown im Gegenzug zu Riklin fast nur online auffindbar, erfindet virtuelle Figuren, welche er aus der digitalen Welt im echten Leben spielen lässt. Er bindet Personen in den digitalen Stream ein, was die aussergewöhnliche Geschichte von “Jack The Twitter” am besten aufzeigt: Marcus Brown ist Leuten virtuell gefolgt, die über Twitter mitteilten wo sie sich gerade befinden. Solche Tweets haben ihn so geärgert, dass er den digitale Charakter “Jack the Twitter” erfunden und belebt hat. So ist Jack den Leuten über Google StreetView gefolgt und hat Dinge gesagt, die nur in dieser Strasse möglich waren und hat so suggeriert, dass er gleich ums Eck steht.
Marcus Brown nennt das Streamtelling und hat versucht eine Struktur dieser Erzählform zu entwickeln.
Digitale Charaktere müssen leben und atmen, sie müssen die vier Wände durchbrechen können. Sie müssen sterben können und das Schöne ist, man kann sie auch wieder auferstehen lassen.
Jörg Huber’s Conclusio verriet, dass das was online und offline an der Konferenz lief seltsamerweise genau dasselbe war. Er beendete seinen Vortrag mit kritischen Worten in punkto Distribution im Internet und regte das Publikum mit Hinweis auf Abu Graib, Snuffmovies und handygefilmten Selbstmorden nochmals zur kritischen Haltung gegenüber der wunderbaren teilbaren neuen Storytelling-Welt an.
Abschliessen führten Caroline Capiaghi, Erzählerin und Präsidentin der Schweizer Märchengesellschaft und Niki Wiese Schawalder die Geschichte des Odysseus und der Circe auf. Sie haben während den Pausen jeweils Konferenzteilnehmer eingeladen, sich mit Verkleidung auf ein Polaroid bannen zu lassen. Die Szene war nie erklärt, oder in den Kontext der Geschichte gestellt und somit wurde das Rätsel, was das sollte, am Schluss mit der Erzählung begleitet von der Polaroid-Fotostory aufgelöst – beispielhaftes partizipatorisches Storytelling. Dahinter steckte noch die Geschichte des Instant-Films von Polaroid. Die Aktion war gleichzeitig Kunst und Marketing für den neu produzierten Instantfilm von der Firma impossible, die das Weiterbestehen und Rettung des Polaroids möglich machte und die letzte Fabrik 2009 in Holland gekauft hat und wider Instantfilm produziert. Niki Wieser Schawalder ist die Schweizer Vertreterin, die das Thema des Polaroid-Films wieder mit genau solchen Aktionen zwischen Kunst und Marketing belebt.
Abgerundet wurde die Konferenz mit der Erzählung der Bourbaki Armee im eindrücklichen Raum des 360° Panorama des Bourbakis – eines der letzten 27 Panorama-Gemälden der Welt.






